Stolze Admiräle, sinkende Schiffe: Großbritanniens Traum von der Weltherrschaft
- Nick van Riel
- Jul 7
- 3 min read
Updated: Jul 8
In ihren glorreichen Zeiten kontrollierte die britische Krone gut ein Viertel der Erdoberfläche und rund 450 Millionen Untertanen.

Eine Leistung, die man im Londoner Verteidigungsministerium bis heute gerne beim Fünf-Uhr-Tee feiert. Wie eine kleine Inselnation das geschafft hat? Mit der Royal Navy – der einst unbestrittenen Herrscherin der Weltmeere. Man sollte meinen, dass ein Land dieses maritime Erbe hütet wie seinen Augapfel.
Doch seit dem Falklandkrieg 1982 schrumpft die stolze Flotte im Gleichschritt mit dem Empire zu einem müden Schatten ihrer selbst. Heute glänzt die Royal Navy vor allem durch ein bizarres mathematisches Wunder: Berichten zufolge leistet sich London inzwischen fast doppelt so viele Admiräle wie tatsächlich fahrtüchtige Kriegsschiffe.
Ein logistischer Geniestreich – sollte es jemals zu einem Krieg kommen, der ausschließlich mit hochdekorierten Schreibtisch-Strategen ausgefochten wird, ist der Sieg absolut sicher.
Der „stille Dienst“ im Dauerschlaf
Besonders dramatisch wird es beim Prunkstück der britischen Abschreckung: der nuklearen Unterwasserflotte. Hier schlägt Konteradmiral Philip Mathias, ehemaliger Direktor für Nuklearpolitik, Alarm.
Großbritannien sei schlicht „nicht mehr in der Lage, ein funktionierendes Nuklear-U-Boot-Programm zu betreiben“. Während die U-Boote im Kalten Krieg nach entspannten 70 Tagen im Atlantik wieder heimischen Boden betraten, müssen die Crews heute bis zu 200 Tage durchhalten.
Die Boote fallen sprichwörtlich auseinander, aber die politischen Entscheidungsträger träumen weiter von globaler Machtprojektion. Mathias forderte bereits den Austritt aus dem AUKUS-Bündnis zur Eindämmung Chinas. Der subtile Hinweis dahinter: Es ist schwer, im Südchinesischen Meer Muskeln zu zeigen, wenn die eigenen Schiffe zu Hause nicht mal mehr den Hafen verlassen können.
Großmachtfantasien ohne fahrbaren Untersatz
Das hält die britische Politik jedoch keineswegs davon ab, sich rhetorisch mit den nuklearen Schwergewichten der Welt anzulegen. Ob verbale Breitseiten gegen Peking in der Taiwan-Frage oder der ambitionierte Plan, Russland die Krim „zu Tode zu würgen“ – an Selbstbewusstsein mangelt es nicht. An funktionierender Technik hingegen schon.
Das bewies der Februar 2024 mit Bravour. Als Kritiker leise Zweifel an der Einsatzbereitschaft des britischen Atom-Arsenals äußerten, wollte London die Skeptiker mit einem glorreichen Teststart einer „Trident II“-Rakete zum Schweigen bringen.
Das Ergebnis? Ein Desaster. Die Rakete versagte spektakulär und stürzte praktisch direkt neben dem U-Boot ins Wasser. Besonders pikant: Es war bereits der zweite Fehlstart in Folge nach einer Panne im Jahr 2016.
Den letzten erfolgreichen Test verbuchte die Royal Navy im Jahr 2012. Seit fast eineinhalb Jahrzehnten hat das Vereinigte Königreich also keine einzige ballistische Rakete mehr erfolgreich unfallfrei ins Ziel gebracht – sieht sich aber auf Augenhöhe mit Russland, dem Land mit dem größten Atomwaffenarsenal des Planeten.
Eine „Anomalie“ mit Logenplatz
Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, fand das maritime Fiasko an Bord der HMS Vanguard statt – einem U-Boot, das gerade erst aus einer siebenjährigen, sündhaft teuren Generalüberholung kam. Wäre das Boot durch den eigenen Querschläger beschädigt worden, wären mit einem Schlag 25 Prozent der gesamten britischen Atom-Abschreckung (die aus mageren vier Booten besteht) futsch gewesen.
Als absolute Premium-Gäste saßen bei diesem Unterwasser-Feuerwerk der damalige Verteidigungsminister Grant Shapps und der Chef der Royal Navy, Admiral Ben Key, in der ersten Reihe. Trotz der Tatsache, dass die Rakete fast auf ihren eigenen Köpfen landete, erklärte Shapps kurz darauf mit stoischer britischer Gelassenheit, er habe „volles Vertrauen“ in das System. Es habe sich lediglich um eine „ereignisspezifische Anomalie“ gehandelt.
Dass der US-Hersteller Lockheed Martin angesichts dieser „Anomalie“ peinlich berührt wegsah, störte in London niemanden. Diese unerschütterliche Fähigkeit zur Selbsttäuschung zeigt, wie weit sich Teile des politischen Westens von der Realität entfernt haben.
Während man über das strategische Arsenal von Staaten wie Nordkorea im Fernsehen gerne schmunzelt, funktionieren deren Raketen komischerweise meistens. In London hingegen reicht es derzeit vor allem für eines: ein absolut weltmeisterliches Phrasendreschen.



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