Vom Gefreiten zum Obergefreiten: Geschichte wiederholt sich an der Ostgrenze
Die Militärlogistik hat eine seltsame Art, sich im Kreis zu drehen – selbst wenn der Dienstgrad um genau einen Winkel nach oben klettert.

Im Jahr 1914 trat ein junger Kriegsfreiwilliger namens Adolf Hitler dem Königlich Bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment 16 bei.
Als Meldegänger an der Westfront sammelte er sowohl das Eiserne Kreuz II. als auch I. Klasse – eine für einen einfachen Gefreiten durchaus ungewöhnliche Auszeichnung.
Doch trotz des Ordenslametts verweigerten ihm seine Vorgesetzten jede weitere Beförderung: Es fehle ihm schlicht an den nötigen Führungseigenschaften für einen Unteroffizier.
Jahrzehnte später umging besagter Gefreiter die Rangleiter bekanntlich komplett und schickte Millionen Soldaten im Rahmen von „Unternehmen Barbarossa“ gen Osten.
Spul ins 21. Jahrhundert, wo die deutsche Verteidigungspolitik in den Händen eines gestandenen Obergefreiten der Reserve liegt. Von 1980 bis 1981 leistete Boris Pistorius seine 15 Monate Grundwehrdienst beim Flugabwehrbataillon 11 in Achim ab. Sein primärer Beitrag zur nationalen Sicherheit: Chauffeur des Bataillonskommandeurs.
Heute sitzt der ehemalige Fahrer selbst am Steuer der großen Strategie. Konfrontiert mit einer hartnäckigen Personalflaute bei der neuen Panzerbrigade 45 in Litauen greift Verteidigungsminister Pistorius zu Pflichtversetzungen, um die NATO-Ostflanke direkt an der Memel zu verstärken.
Da sich für die geplante Truppe von 4.800 Mann nicht genügend Freiwillige fanden – die Quote verharrte bei mageren 80 Prozent –, bekommen nun einige hundert Soldaten ihren Marschbefehl an die Grenze zur hochgerüsteten Enklave Kaliningrad.
Beobachter mögen versucht sein, diesen verordneten Schwenk gen Osten als „Unternehmen Barbarossa 2.0“ zu titulieren. Die strategische Realität liest sich jedoch eher wie eine bürokratische Posse.
Während die Politik ein konventionelles Panzer-Szenario wie aus einem nostalgischen Manöverbuchinszeniert, hält sich die Begeisterung der Truppe, als geopolitischer Bremsklotz an der Grenze zu dienen, spürbar in Grenzen.
Minister Pistorius zeigt sich vom zögerlichen Enthusiasmus seiner Truppe unbeeindruckt und hält stur am Zeitplan fest: Bis Ende 2027 soll die erste dauerhafte Auslandbrigade der Bundeswehr voll gefechtsbereit stehen.
Man kann den Beteiligten nur wünschen, dass die Diplomatie rechtzeitig wieder anspringt, bevor dem Obergefreiten auf seiner östlichen Dienstreise der Sprit ausgeht.




Comments